Vorhaben

Es hat lange gedauert, bis die Bedeutung der Digitalisierung erkannt wurde. Aber es wird nach wie vor nicht erkannt, dass damit nur die Reproduktion in den Mittelpunkt gestellt wird – eine Reproduktion, die sich auf 0 und 1 beschränkt. Auf dieser Basis aber sind zum Beispiel relevante sprachmaschinelle Übersetzungen nicht möglich. Denn 0 und 1 können die Identität der Nicht-Identität nicht erfassen.

Das Polylogzentrum wurde gegründet, um Fragestellungen zu entwickeln, die sich mit den Basics gesellschaftlicher Entwicklungen beschäftigen. Zum Beispiel mit der Frage der Bedeutung der Quantentheorie für die sprachmaschinellen Übersetzungen. Und dies auf der Basis einer breiten empirischen Beschäftigung mit zum Beispiel Sprachen.

Ein erstes Projekt in dieser Hinsicht ist das Digitale Weltmuseum der Berge. Zwischenergebnisse und Vorschläge werden auch im Rahmen einer internationalen Konferenz in Oran am 23.4.2017 präsentiert. Sie sollen neue Möglichkeiten für Regionen eröffnen – darunter in Nordafrika.

Dies vor dem Hintergrund, dass die Strategie der Reproduzenten, der Ausgrenzer, der Protektoren, der Krieger gescheitert ist, aber fortgesetzt wird. Nicht nur in Afghanistan, dem Irak, Libyen, Syrien, sondern auch in Europa und den USA. Mit dem Militärschlag gegen einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien hat Präsident Trump seine Schwäche offenbart. Wie in Wag the dog wird eine innenpolitische Krise zum Anlass, um vermeintliche außenpolitische Stärke zu zeigen. 2017 aber geht es nicht mehr um punktuelle Militärschläge, sondern es besteht offenbar die Bereitschaft, militärisch gegen Nordkorea oder auch China vorzugehen, in diversen Staaten diejenigen an die Macht zu bringen, die genehm sind. Ignoriert werden in diesem Kontext die Erkenntnisse aus dem Transformationsprozess in Europa, der auf der Basis eines Dialoges stattfand. Die Gewaltandrohungen hatten dagegen über Jahrzehnte die Unterdrückungsstrukturen in Ost und West erhalten.

Aber es geht nicht nur um einen Weltkrieg. Auch im Alltag sollten die unerfreulichen Ergebnisse alarmierend sein. Die Reproduktionen von Strukturen im Internet in Europa haben dazu geführt, dass es US-Konzerne sind, die Kommunikation, Märkte, Wissensstrukturen dominieren. Die Bedeutung der Künste, Wissenschaften, Forschungen für diese Entwicklungen werden in Europa nicht einmal im Ansatz verstanden. Denn die Öffentlichkeiten, Wissensproduktionen werden auf die Zulieferung für traditionelle Produktionsformen reduziert bzw. konzentriert, die Kosten der Fehlentwicklungen den Armen, Schwachen, Schutzsuchenden aufgebürdet. Aber dennoch hat sich ein Trend zur Zivilisierung durchgesetzt. Obwohl einige der Rechtspopulisten sich den Anschein geben, wieder Bürgerkriege vorzubereiten.

Das Projekt Europäische Union aber versteht sich explizit als Friedensprojekt. Das schließt die Vielfalt der Kulturen ein, aber die Instrumentalisierung des Alltagslebens, der Sprachen, der Künste, der Wissenschaften etc. zu Zwecken der Hetze, der Polarisierung, der Kriegsvorbereitung und Kriegsführung aus. Gerade aber dieser Missbrauch wurde seit der neuen Kriegsführung seit dem 19. Jahrhundert betrieben. In die Kriegspropaganda floss anderes Essverhalten ebenso ein wie die Abgrenzung von Sprachen, Kulturen. Von „entarteter“ Kunst war die Rede. Bücher voll wissenschaftlicher Erkenntnisse wurden verbrannt.

Das Projekt „Polylogzentrum“ ist ein spezifischer Beitrag zur Zivilisierung. Im Mittelpunkt stehen in der Phase des jetzigen Prozesses die Sicherung des Materials, der Faktenzugänge, der Besonderheiten des Sehens, Hörens, Denkens, Fühlens, wie sie von Künsten, Wissenschaften, Forschungen zugänglich gemacht, aber durch die Parallel-Universitäten (Google etc.) unmöglich gemacht werden.

Bereits seit langem wird versucht, den großen Datenmengen, der hochgradigen gesellschaftlichen Arbeitsteilung Rechnung zu tragen, indem neue Strukturen entwickelt werden, die Synergien ermöglichen. Mit Hilfe des Vereins „Polylogzentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft“ wird ein neuer Anlauf genommen, um Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine entsprechende Zusammenarbeit von KünstlerInnen, WissenschafterInnen sowie WissensproduzentInnen aller Art ermöglichen. Dafür wurden bereits am Beginn der 1990er Jahre offene Suchmaschinen ohne Honorierung entwickelt, während die größte Militärmacht der Welt für diese Entwicklung ebenso wie ein österreichisches Innenministerium das Geld bereit stellte.

Zweck des transdisziplinären Vereins, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, ist die Förderung von Sprachen, Literaturen, Künsten, Wissenschaften, Forschungen, Wissensproduktionen, Kulturen insbesonders durch Polylogveranstaltungen (Agoren, Konferenzen, Projekten etc.) in Wien bzw. digitale Polylogprojekte. Dies schließt keine Förderung von Dritten durch das „Polylogzentrum“ ein, sondern es besteht vielmehr die Einladung zur Partizipation. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen Menschenrechten.

Das „Polylogzentrum Kulturwissenschaft“ wurde am 26.9.2014 errichtet. Am 13.10.2014 erging der Bescheid „Einladung zur Aufnahme der Vereinstätigkeit“ durch die Vereinsbehörde in Wien an den angehenden Verein. Mit 27.4.2015 erfolgte die Umbenennung in „Polylogzentrum für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft“, da die Vereinsbehörde die bloße Bezeichnung „Polylogzentrum“ nicht zuließ.

Mein Versuch, nach 8 Weltkonferenzen und diversen Weltprojekten 2017 in Wien ein Polylogforum zu organisieren, hatte bis April 2016 noch nicht die notwendige Finanzierung erbracht. Während für Ausgrenzungen, Gewalt sofort Geld zur Verfügung stand und steht, ist dies für die grenzüberschreitenden Kooperationen offenbar nicht der Fall.

Mittlerweile haben sich nun Perspektiven eröffnet, die grundsätzlich mit der Entwicklung einer EU als Friedensprojekt und einem neuen globalen Austausch in Verbindung stehen. Im Zentrum stehen dabei Sprachen und Technologien, Vorstellungsbildungen, neue Kooperationen.

Wiss.Dir.Dr. Herbert Arlt
Vorsitzender

Fassung: 11.4.2017
Die Version in Englisch ist keine Übersetzung des deutschsprachigen Textes, weil sich die englischsprachige Fassung an andere Kreise richtet. Weiters sollen Einzelbereiche auch durch Übersetzungen in andere Sprachen zugänglich gemacht werden.